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SARS-CoV2-Abwassermonitoring Oberösterreich

Das Pandemiemanagement hat sich seit dem Ausbruch im Februar 2020 stark verändert. Zahlreiche Maßnahmen sind zuletzt weggefallen. Das Testen als vorrangige Methode des Pandemiemonitorings tritt mehr und mehr in den Hintergrund. Zudem hat sich das Virus seit Beginn der Pandemie verändert. Demnach müssen auch die Instrumente der Pandemiebekämpfung angepasst und nachjustiert werden. Hier leistet das flächendeckende oberösterreichische Abwasserscreening eine wertvolle Hilfe, um herannahende Wellen und neue Virusvarianten frühestmöglich zu erkennen. 

Trend seit Juli 2022

02.12.2022: „Die aktuellen Analysen deuten auf eine weiterhin stabile Entwicklung auf einem niedrigen Niveau hin. Dabei gibt es auch keine nennenswerten Abweichungen zwischen Ergebnissen der Abwasser-Analyse und den Werten der tatsächlichen Inzidenzen. Auch in den Spitälern zeigt sich ein weiterhin stabiles Bild“, erläutert Prim. Dr. René Silye, Leiter der Pathologie am Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck, die aktuellen Ergebnisse. Die Proben werden zwei Mal pro Woche gezogen und in seinem Institut analysiert.

Aktuelle Ergebnisse (Alternativtext zu obigem Diagramm)

Datum Positive fiktive Ausscheider
29.11.2022 1.025 1.605
28.11.2022 1.028  
27.11.2022 1.106 1.258
26.11.2022 1.132  
25.11.2022 1.119  
24.11.2022 1.129  
23.11.2022 1.069  
22.11.2022 1.026 1.565
21.11.2022 1.018  
20.11.2022 1.079 1.768
19.11.2022 1.065  
18.11.2022 1.098  
17.11.2022 1.113  
16.11.2022 1.040  
15.11.2022 1.207 1.022
14.11.2022 1.321  
13.11.2022 1.411 1.774
12.11.2022 1.388  
11.11.2022 1.413  
10.11.2022 1.437  
09.11.2022 1.386  
08.11.2022 1.419 1.391
07.11.2022 1.437  
06.11.2022 1.505 1.244
05.11.2022 1.621  
04.11.2022 1.561  
03.11.2022 1.722 1.267
02.11.2022 1.746  
01.11.2022 1.861 1.781
31.10.2022 2.094  
30.10.2022 2.247 2.401
29.10.2022 2.357  
28.10.2022 2.652  
27.10.2022 2.652 1.632
26.10.2022 2.808  
25.10.2022 2.873 2.087
24.10.2022 3.018  
23.10.2022 3.540 3.582
22.10.2022 3.743  
21.10.2022 4.292  
20.10.2022 4.096  
19.10.2022 3.871  
18.10.2022 4.010 2.420
17.10.2022 4.421  
16.10.2022 4.934 7.932
15.10.2022 5.045  
14.10.2022 4.976  
13.10.2022 4.992  
12.10.2022 4.801  
11.10.2022 4.762 7.509
10.10.2022 4.840  
09.10.2022 5.346 6.972
08.10.2022 5.511  
07.10.2022 5.294  
06.10.2022 4.995  
05.10.2022 4.811  
04.10.2022 4.385 12.366
03.10.2022 4.377  
02.10.2022 4.432 7.583
01.10.2022 4.242  
30.09.2022 4.177  
29.09.2022 3.780  
28.09.2022 3.479  
27.09.2022 3.134 5.922
26.09.2022 3.061  
25.09.2022 2.970 7.184
24.09.2022 3.016  
23.09.2022 2.670  
22.09.2022 2.479 785
21.09.2022 2.227  
20.09.2022 1.965 3.929
19.09.2022 1.799  
18.09.2022 1.879 4.502
17.09.2022 1.784  
16.09.2022 1.692  
15.09.2022 1.572  
14.09.2022 1.487  
13.09.2022 1.384 2.796
12.09.2022 1.312  
11.09.2022 1.382 1.974
10.09.2022 1.451  
09.09.2022 1.524  
08.09.2022 1.524  
07.09.2022 1.501  
06.09.2022 1.544 1.512
05.09.2022 1.579  
04.09.2022 1.721 921
03.09.2022 1.890  
02.09.2022 2.043  
01.09.2022 2.086  
31.08.2022 1.903  
30.08.2022* 1.867 1.902
29.08.2022 497  
28.08.2022 612 474
27.08.2022 628  
26.08.2022 606  
25.08.2022 588  
24.08.2022 578  
23.08.2022 536 785
22.08.2022 549  
21.08.2022 579 561
20.08.2022 579  
19.08.2022 555  
18.08.2022 567  
17.08.2022 509  
16.08.2022 500 1.027
15.08.2022 512  
14.08.2022 559 784
13.08.2022 574  
12.08.2022 592  
11.08.2022 587  
10.08.2022 585  
09.08.2022 555 1.116
08.08.2022 561  
07.08.2022 662 695
06.08.2022 688  
05.08.2022 695  
04.08.2022 753  
03.08.2022 752  
02.08.2022 792 586
01.08.2022 841  
31.07.2022 913 965
30.07.2022 962  
29.07.2022 1.064  
28.07.2022 1.103  
27.07.2022 1.148  
26.07.2022 1.181 2.608
25.07.2022 1.176  
24.07.2022 1.257 937
23.07.2022 1.341  
22.07.2022 1.344  
21.07.2022 1.416  
20.07.2022 1.402  
19.07.2022 1.400 1.632
18.07.2022 1.369  
17.07.2022 1.437 2.011
16.07.2022 1.432  
15.07.2022 1.519  
14.07.2022 1.580  
13.07.2022 1.162  
12.07.2022 1.116 1.267
11.07.2022 1.094  
10.07.2022 1.159 1.767
09.07.2022 1.181  
08.07.2022 1.228  
07.07.2022 1.145  
06.07.2022 1.054  
05.07.2022 1.018 2.894
04.07.2022 1.086  
03.07.2022 1.068 2.453
02.07.2022 1.072  
01.07.2022 1.135  
21.06.2022 1.152  

 

*Erste Beprobung von 26 statt bisher 10 Kläranlagen. Die deutliche Steigerung erklärt sich durch das größere Einzugsgebiet und die somit höhere Anzahl der Einwohner.

Was sind "fiktive Ausscheider"?

Um eine Kennzahl für die Krankheitswahrscheinlichkeit im Einzugsgebiet einer Kläranlage zu haben, wurde durch die Wissenschaft das Konzept der "fiktiven Ausscheider" entwickelt: Infizierte Personen scheiden nicht infektiöse RNA-Bruchstücke des Virus aus. Diese RNA-Bruchstücke lassen sich im Abwasser quantifizieren. Dabei wird die so genannte Copy Number ermittelt. Die Copy Number wird mit Daten der jeweiligen Kläranlage, etwa die Abwassermenge oder der Anzahl der gemeldeten Einwohner im Einzugsbereich kombiniert und so die fiktiven Ausscheider berechnet. Die errechneten fiktiven Ausscheider werden schließlich den tatsächlich positiv getesteten Fällen gegenübergestellt.

Virus-RNA wird von asymptomatischen, symptomatischen, präsymptomatischen und genesenden Personen ausgeschieden. Anstiege sind deshalb im Abwasser bereits vier bis zehn Tage vor dem klinischen Anstieg zu beobachten.

 

Wie erfolgt die Beurteilung der Ergebnisse?

Der Wert des Abwasserscreenings liegt in der Beurteilung des Langzeitverlaufs. Ähnlich Zeitraster-Aufnahmen erlaubt das Einzelbild keine oder nur falsche Rückschlüsse. Die Ergebnisse der Abwasseranalysen sind daher nur ein, wenn auch wertvoller Teil einer Gesamtbeurteilung, in die eine Reihe weiterer Parameter, allen voran die Belegung auf den Normal- bzw. Intensivstationen, zur Lagebeurteilung einfließen. Das Abwassermonitoring ist ein wichtiger Puzzleteil im Zusammenspiel der zur Verfügung stehenden Instrumente, um verlässliche Informationen über das Gesamtgeschehen im Bundesland und die Tendenz der Infektionslage - auch für Oberösterreichs Spitäler - zu erhalten.

Die Abwasserepidemiologie wird in Österreich seit Jahren sehr erfolgreich zum Monitoring des Konsums von Pharmazeutika etc. eingesetzt. Besondere Stärken der Abwasseranalyse im Vergleich zu anderen epidemiologischen Verfahren sind:

  1. eine hohe zeitliche und räumliche Auflösung
  2. Erhebung von populationsspezifischen Daten, ohne in die Privatsphäre des Einzelnen eingreifen zu müssen
  3. einfache und sichere Probenahme im Rahmen der Eigenüberwachung der Kläranlagen
  4. simple Logistik
  5. schnelle und kostengünstige Umsetzung

Derzeit gibt es zwei bundesweite Abwasser-Monitoringprogramme als Analysetool für die Corona-Pandemie. Im nationalen Monitoring des Gesundheitsministeriums werden die 24 größten Kläranlagen Österreichs beprobt, die mit ihrem Einzugsgebiet rund 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung abdecken. In Oberösterreich betrifft das vor allem die Ballungsräume Linz, Wels und Steyr.

Im "Schulstandortmonitoring" des Bildungsministeriums werden momentan Kläranlagen im Einzugsgebiet der 108 österreichweit wichtigsten Schulstandorte beprobt, darunter fallen 16 oberösterreichische Kläranlagen. Das Schulstandortmonitoring wird mit Ende August endgültig auslaufen. Ein Wegfallen dieser wichtigen Daten würde aber insbesondere in Zeiten, in denen wenig "klassische" Corona-Tests durchgeführt werden, dazu führen, dass es für Oberösterreich kein aussagekräftiges Gesamtbild mehr gibt.

Das Land Oberösterreich hat sich daher dafür entschieden, die 16 oberösterreichischen Standorte des Schulstandortmonitorings zu übernehmen, sobald das Bildungsministerium dieses Programm einstellt. Das oberösterreichische Monitoringprogramm ist am 3. Juli 2022 gestartet. Die Etablierung der Testung ist in enger Abstimmung mit dem Nationalen Referenzzentrum des Bundes an der Universität Innsbruck erfolgt. Im Endausbau werden bei 26 Kläranlagen zwei Mal pro Woche Proben entnommen:

Nach Einbeziehung aller auch im nationalen Monitoring vorgesehenen Kläranlagen befinden sich mehr als eine Million Hauptwohnsitze im durch die verschiedenen Programme überwachten Einzugsgebiet. Alleine durch das regionalisierte -Programm überwacht das Land Oberösterreich in der Endumsetzung den Einzugsbereich von rund 450.000 Hauptwohnsitzen. Das oberösterreichische Monitoringprogramm zielt vor allem darauf ab, den ländlichen Bereich – auch nach dem Auslaufen des Programms des Bildungsministeriums - bestmöglich zu überwachen und Entwicklungen zu identifizieren, während der Zentralraum durch das nationale Monitoring bereits sehr gut abgedeckt ist. Die im Rahmen des oberösterreichischen Abwassermonitoring in den Kläranlagen gezogenen Proben werden zentral im Labor des Salzkammergut Klinikums Vöcklabruck untersucht.